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U-Verlagerung "Diabas"


Stollenneubau für die Junkers Flugzeug- und Motorenwerke AG


Blick von den Bergen in Stollenhausen - unter uns befindet sich die ehemalige U-Verlagerung Diabas


In dem kleinen malerischen Örtchen Stollenhausen im Mittelgebirge Harz befinden sich die Stollen der geplanten Untertage-Verlagerung mit dem Decknamen "Diabas". Neben dem nicht fertiggestellten  Stollensystem der geplanten Großanlage kann man heute einige kleinere übertägige Relikte im Gelände finden. Die Stollenanlage "Diabas" sollte eine unterirdische Fabrik für die Firma Junkers Flugzeugbau werden. Gegründet wurde der Betrieb im Jahre 1917 in Dessau unter dem Namen Junkers-Fokke. Aufgrund von persönlichen Differenzen stieg Fokke 1919 aus dem Unternehmen aus, welches daraufhin in Junkers-Flugzeugwerke umbenannt wurde. Die Junkers-Flugzeugwerke gründeten 1922 zusätzlich eine eigene Motorenfabrik, die Junkers-Motorenbau GmbH. Im Jahre 1931 geriet das Unternehmen in eine finanzielle Krise, welche aber durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten und den somit neuen Aufträgen für das Werk wieder ausgeglichen werden konnte. Im Jahre 1931 bekam die Junkers-Flugzeugwerke einen Großauftrag zum Bau von Passagier- und Transportflugzeuge. 1935 wurde der Betrieb zwangsenteignet und verstaatlicht. Dadurch wurde die Produktion auf militärische Flugzeuge umgestellt. Durch die Zusammenlegung beider Dessauer Werke im Jahre 1936 entstand die Junkers Flugzeug- und Motorenwerke AG. (JFM) Da die Firma nun eine Vielzahl von Motoren und Flugzeugtypen herstellte, galt sie als eine der bedeutensten Rüstungskonzerne des Deutschen Reiches. Die Produkte aus dem Hause Junkers hatten weltweit einen guten Ruf. Aber ihr alleiniger Werkseigentümer Hugo Junkers galt bei den Nationalsozialisten als politisch unzuverlässig, so dass er gezwungen wurde 51 % seiner Anteile von der JFM an das Reichsluftfahrtministerium entschädigungslos abzugeben. Das Selbe galt für seine zahlreichen Patente. Nach dem Tod von Hugo Junkers übernahm seine Witwe und Erbin Therese Junkers das Werk in Dessau. Doch Sie überließ auch noch die restlichen Anteile von der  Junkers Flugzeug- und Motorenwerke AG, diesmal freiwillig, dem Reichsluftfahrtministerium. Diesmal allerdings für die kleine Gegenleistung von 30 Millionen Reichsmark. Ab dem 5. Juli 1936 fungierte die Flugzeugfabrik nun unter dem neuen Generaldirektor Heinrich Koppenberg. Das Stammwerk in Dessau beschäftigete zu Spitzenzeiten gut 40.000 Mitarbeiter.


Reste der Elektroinstallation in der Untertage-Verlagerung Diabas


Sprengstoffkammer und Gitternetzte gegen Gesteinsfall unter Tage


Das Unternehmen expandierte weiter und hatte auf Deutschen Grund im Jahre 1943 rund 24 Zweigstellen. Große Bedeutung in der Luftrüstung hatte auch die Flugmotorenherstellung und Entwicklung , Junkers produzierte die meisten deutschen Flugmotoren wärend des Krieges , in Lizenz auch Motoren für die anderen Flugzeughersteller wie Arado, BMW, Donier, Heinkel, Henschel, VW und Weser-Flugzeugbau. Da auch die Junkers Flugzeug- und Motorenwerke AG in Dessau und in den Zweigwerken von den alliierten Bombenangriffen nicht verschont wurden, kamen im Laufe des Krieges viele unterirdische Standorte dazu – die sogenannten Untertage-Verlagerungen. Auch oberirdische Verlagerungen wurden in weniger Luftgefährdeten Gebieten im deutschen Reich erbaut. Ab April 1944 war es der Plan die Junkerswerke in überwiegend unterirdische bombensichere Fabriken zu verteilen. Die erste Verlagerungswelle kam auf 37 U-Verlagerungen der Firma Junkers mit einer insgesamten Produktionsfläche von 393.000 Quadratmetern. Im Mai 1944 kamen nochmals 600.000 qm dazu. Wie wichtig die untertägige Flugzeug(teile)produktion war, wird deutlich, wenn man die Zahlen mal ganz nüchtern betrachtet: Die JFM bekam vom Jägerstab über eine Million Quadratmeter unterirdische Produktionsfläche zugeteilt, verteilt auf knapp 60 U-Verlagerungen, wobei die (Um)Baukosten immer vom Reich getragen wurden. Die größten Untertageverlagerungen für Junkers waren die Projekte Kaolin, Malachit und Diabas, alles Stollenneubauten. Daneben gab es noch eine Vielzahl von kleineren U-Verlagerungen in Reichsbahntunnels, Eiskeller und Bergwerken. Auch in der Naturhöhle "Heimkehle" wurde für die Firma Junkers eine bombensichere Produktionsstätte eingerichtet.


Eine der geplanten Produktionshallen mit Fahrstollen unter Tage


Die vom Jägerstab geplante Untertage-Verlagerung mit dem Decknamen "Diabas" lag im sogenannten "Sperrkreis Mittelbau", das bedeutet, dass im Umkreis von 50 Kilometern um Nordhausen öffentliche und private Gebäude einfach beschlagnahmt werden konnten, um die große Anzahl von benötigten Arbeitern, sowie die Bauleitungen schnell unterbringen zu können. Insgesamt mussten im Großraum Mittelbau rund 200.000 Arbeiter möglichst schnell untergebracht werden – und das nur für die Verlagerungsprojekte der Junkers Flugzeug- und Motorenwerke.

Die hier vorgestellte U-Verlagerung Diabas war, wie ihr sicherlich anhand des Decknamens aus der Gesteinskunde schon erahnen könnt, ein Stollenneubau für die Firma Junkers. Bei Fertigstellung der Stollenanlage sollte die U-Verlagerung Diabas eine Produktionsfläche von 60.000 m² haben. Die Objektnummer der unterirdischen Produktionsstätte war 515. Die Organisation Todt. (OT) wurde der Bauauftrag für die dem Jägerprogramm angehörige Untertage-Verlagerung "Diabas" beauftragt. Die erste Besichtigung der Baustelle war im Juni 1944. Neben den Vertretern der Junkerswerke waren auch der Ingenieur Wodsack vom Bauamt des Reichsministerium für Rüstung und Kriegswirtschaft (RmfRuK), Ingenieur Stieber, der Sonderbeauftragte für die unterirdische Verlagerung und ein Vertreter des Oberbergamts vor Ort.


Riesige Stollen im Gipsberg


Im Juli 1944 fanden einige Probebohrungen in der Gipswand statt. Zusätzlich traf man sich zur einer Sonderbesprechung in dem Steinbruch. Zugegen waren Mitglieder der OT-Einsatzgruppe IV aus Weimar, der Großdeutschen Schachtbau, sowie Mitglieder der örtlichen Bauleitung, Landrat von Schönefeld und Kreisamtsleiter Voss aus Stollenhausen. Die Gesamtleitung der Baustelle "Diabas" lag bei der Organisation Todt, Dienststelle Stollenhausen/Harz. Bauleiter war der Herr Oberste, welcher auch die anderen U-Verlagerungen hier im Ort beaufsichtigte. Baubeginn war Anfang August 1944. Die Grundbedingungen waren hier für das Stollenprojekt Diabas sehr gut. Der Reichsbahnanschluss lag keine 200 Meter entfernt an der Kreisbahnstrecke KS-OHZ. Druckluft war im Steinbruch vorhanden. Auch der gesamte Fuhrpark und die benötigten Maschinen konnten vom Steinbruch benutzt werden. Förderwagen, Loren, Bohrer und Schmalspurgleise waren ebenfalls im Gipsbruch vorhanden. Das gewonnene Ausbruchmaterial konnte in dem naheliegenden Gipswerk weiterverarbeitet werden. Für den Vortrieb der Stollen konnten einige Bergmänner aus der benachbarten Erzgrube ausgeliehen werden. Der Berg über dem Steinbruch war bewaldet und bot somit eine gute natürliche Tarnung der Baustelle Diabas. Die Überdeckung der neuen Stollen war mit 70 – 100 Meter mehr als Ausreichend für die benötigte Bombensicherheit. Ziel war es 24 Produktionskammern mit dem Profil von 6 x 8 Metern und einer Länge von 100 Metern zu erstellen. Der Fahrstollen sollte 6 x 4 Meter im Querschitt haben und zweigleisig ausgebaut werden.

Die Stollenanlage Diabas sollte bei Fertigstellung 6 Stollenmundlöcher und zwei Wetterschächte, welche auf der zweiten Sohle des Steinbruchs zu Tage treten, haben. Alle Stollenmundlöcher haben ihren Ausgangspunkt in der Steilwand in dem Steinbruch. Doch bis auf ein Stollenmundloch, welches sich heute auf einem Privatgrundstück befindet, sind die ehemaligen Eingänge in die U-Verlagerung Diabas heute alle verschwunden und/oder beseitigt worden. Ein großer Teil der Stollen wurde auch nach dem Krieg noch mit abgebaut. Trotzdem sind heute noch gewaltige unterirdische Hallen von der U-Verlagerung Diabas in den Bergen erhalten. Man merkt bei einer Befahrung direkt, dass die Anlage riesengroß werden sollte, jedoch nie fertig wurde. Die gewaltigen Produktionshallen sind im Rohbau stecken gelieben. Viele Bohrlöcher, teilweise schon mit Besatz bestückt, zeugen noch heute davon, wie groß die U-Verlagerung eigentlich werden sollte.


U-Verlagerung Diabas in Stollenhausen


Wenn die Produktion denn angelaufen wäre, dann sollten Flugmotoren vom Typ Jumo 211 für die eigenen Flugzeuge Sturzkampfbomber (Stuka) Ju 87 und den mittlere taktische Bomber Ju 88, sowie Strahltriebwerke vom Typ Jumo 004 für den Düsenjäger Me 262 in der U-Verlagerung Diabas hergestellt werden. Doch dazu ist es nie gekommen...


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