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U-Verlagerung Ofen 5/6

(Grundlegende Informationen über Ofen-Projekte findet ihr in dem Bericht über „Ofen 1/2")



Die hier vorgestellte Kleindestillieranlage Ofen 5/6 befand sich tief im Nordöstlichen Sauerland, in der Nähe von Brilon. Sie war Bestandteil eines neuen großangelegten Mineralölparks, welcher fernab der großen Ballungsgebiete, versteckt in der Sauerländischen Bergregion entstehen sollte. Dieser „Mineralölpark“ bestand aus mehreren untertägigen und übertägigen Geheimprojekten:


- Dachs 5 (Raffinerie, Schmierölanlage zum Aufarbeiten von Rückständen aus Ofen-Anlagen)

- Iltis 3 (Feindestillationsanlage zum Aufbereiten von minderwertigen Benzin aus Rumänien)

- Jakob (Einfache Destillieranlage)

- Lachs (Alkoholanlage)

- Ofen 5/6 (Ausgelagerte Erdöl-Kleindestillationsanlage)

- Ofen 7/8

- Schwalbe 6 (Hochdruckhydrieranlage zum Aufarbeiten von Kohlenteer)

- Taube 2 (Krackanlage zur Verarbeitung von Rohöl)


Geplant war es, dass alle diese Geilenbergprojekte ineinander greifend arbeiteten, sich gegenseitig belieferten und sämtliche Verarbeitungsrückstände in den Nachbaranlagen weiter verarbeitet, oder veredelt wurden. Von Schmieröl über Diesel bis hin zum Flugzeugbenzin sollte zwischen Brilon und Willingen hergestellt werden. Doch die wenigsten Projekte wurden realisiert. Bis zum Ende des Krieges befanden sich vor allen die großen Untertage-Verlagerungen lediglich kurz hinter der Planungsphase. Nur einige wenige Stollen wurden wurden schon ins Gebirge getrieben. Neben der fast baugleichen Kleindestillieranlage Ofen 7/8 stand nur das hier vorgestellte Geilenberg-Projekt Ofen 5/6 bei Kriegsende in Produktion.


Brückenfundament


Wie alle Anlagen vom Typ Ofen bestand die U-Verlagerung Ofen 5/6 aus einer Doppelanlage, die gegen Luftangriffen gut getarnt in einem Kalksteinbruch errichtet wurde. Zur Tarnung gegen feindliche Luftaufklärer genügten einfache Tarnnetze, die an den extra dafür stehengelassenden Bäumen im Tagebau angehangen wurden. Der in der Ofenanlage verarbeitete Rohstoff war Erdöl. Das Geilenbergprojekt Ofen 5/6 bestand aus vier betonierten Rohöltanks mit einem Durchmesser von 16 Metern, in denen das angelieferte Öl zunächst gelagert wurde. Neben der eigentlichen Destillationskolonne, dem „Ofen“, bestand die Fabrik noch aus diversen Tanks für die Fertigprodukte Diesel und Benzin, einem Becken für Phenolwasser, dem Kesselhaus und dem Wärmetauscher. Hinzu kamen noch die Bahnanlagen mit Bahnhof und Verladeeinrichtungen.


Die Natur holt sich alles wieder zurück


Erbaut wurde die Doppelanlage „Ofen 5/6“ in den Monaten September und Oktober des Jahres 1944 von der Organisation Todt. In der Hand der OT lagen vor allem die Betonarbeiten, der Bau des LS-Stollens und das Verlegen von Rohrleitungen. Insgesamt waren rund 1.000 Arbeiter, überwiegend der OT unterstellt, mit dem Bau beschäftigt, wobei die Anlagen Ofen 5/6 und 7/8 jeweils den gleichen Arbeiterstamm hatten. Die Zahl der Arbeiter bezieht sich also auf beide Doppelanlagen bei Brilon.

Das Mineralölprojekt mit dem Decknamen Ofen 5/6 wurde im November 1944 in Betrieb genommen, wobei die Belegung der kleinen Fabrik aus 32 Personen bestand. Hinzu kam noch eine kleine Einheit von 3 Chemikern, welche in einem Labor die Proben prüften und stets versuchten das Destillat noch zu verbessern.


Die erforderlichen Geräte zur Destillation stammten von der Öl-Schiefer-Verarbeitungsanlage aus Salzbergen bei Rheine an der Ems und aus dem Hydrierwerk Nienhagen bei Hannover.

Die 1860 in Salzbergen entstandene „Photogen-Fabrik“ existierte im ersten Jahr als Versuchsanlage, in der der bituminöse Schiefer zunächst getrocknet und dann verschwelt wurde. Bei einer Hitze 300° Celsius destillierten Wasser und Öldämpfe ab. Das Destillat war ein „Steinöl“, welches zunächst in die nähere Umgebung zu Beleuchtungszwecken verkauft wurde. Zwei Jahre später expandierte die Firma und verarbeitete auch importiertes Rohöl zu Paraffin, Benzin und Schmieröl. Als Zweigwerk der Wintershall AG existiert die „Erdölraffinerie Salzbergen“ noch heute.

Betreiber der Anlage Ofen 5/6 war die Wintershall AG.


Mit voller Inbetriebnahme der Fabrik Ofen 5/6 wurde im Monat ein Durchsatz von gut 5.000 gefahren. Die Tageskapazität lag bei fast 250 m³, wobei die Destillationskolonne einen maximalen Endausschuss von rund 15% Benzin und 25% Diesel erreichte. Die restlichen Destillationsrückstände sollten in den U-Verlagerungen Taube 2 und Dachs 5 weiter verarbeitet werden. Wären die beiden Untertageanlagen fertiggestellt worden, würde in Taube 2 ein klopffesteres Benzin entstehen. In Dachs 5 wären die Rückstände zu Schmierölen weiterverarbeitet worden.


Ehemaliger Tank der Geilenberg-Anlage Ofen 5/6


Zum Schluss noch einige (stark gekürzte und zusammengefasste) Notizen aus dem OT-Bautagebuch von Ofen 5/6:


19.01.1945:

Da die Isolierungsarbeiten der Kessel noch nicht abgeschlossen ist, fährt die Anlage zur Zeit mit 70% des Durchsatzes.

Die Pumpenanlage beim Stauwehr in der Hoppeke wurde derart mangelhaft ausgebaut, so dass permanente Störungen im Betriebsablauf auftreten.

Der Luftschutzstollen ist noch nicht komplett fertiggestellt.

Auch die Umzäunung der Ofenanlage fehlt noch.

Der Bahnhof steht voll mit Kesselwagen, so dass die Entdeckung der Fabrik befürchtet wird.

Von der Organisation Todt werden viele Arbeiten zugunsten der U-Verlagerungen „Taube2“ und „Sperber2“ (??) vernachlässigt, so dass bis zum heutigen Tage die Tarnnetze fehlen.


26.02.1945:

Die Isolierungsarbeiten sind beendet.

Der Luftschutzstollen ist bis auf kleinere Restarbeiten fertiggestellt.

Die Anlage Ofen 5/6 leidet unter der stockenden Zufuhr von Rohöl.

Die Wasserhaltung ist immer noch nicht zufriedenstellend.


14.03.1945:

Der Stollenbau ist abgeschlossen.

Die Fabrik mit dem Decknamen „Ofen 5/6“ produziert im vollen Umfang.

Lediglich die Wasserversorgung steht noch nicht im vollen Umfang. Die restlichen Arbeiten sind immer noch durch die OT auszuführen...


Reste der Tankanschlüsse - Erbaut von der Organisation Todt


Zirka 66,6 Jahre später:

Von der Kleindestillieranlage, welche einst das Reich mit Öl und Benzin versorgen sollte, ist nicht mehr all zuviel vorhanden. Naja, immerhin befinden sich in dem Steinbruch noch Reste und Fragmente der früher so geheimen Geilenberg-Anlage. Begibt man sich heutzutage auf Spurensuche, fallen einem sicherlich die zwei noch vorhandenen betonierten Rohöltanks ins Auge, welche die Zeit überdauert haben. Alles, was irgendwie aus Metall bestand, wurde nach dem Krieg, im Zuge der Rohstoffknappheit, entfernt. Sogar die Armierungseisen der Tankwände. Von der Destillationskolonne ist überhaupt nichts mehr vorhanden. Auch zwei der Tanks wurden übererdet. Trotzdem lohnt sich für Interessierte der Besuch dieser geschichtsträchtigen Stätte im Sauerland.


Glück Auf!  


Das ehemalige Labor der Anlage Ofen 5/6


Abspann:


Hauptdarsteller: Beton im Wald

Frische Fotos: Campingfreunde Sauerland - Bergmann und Kröte

Recherche, Archiv und vorliegender Text: Eismann

Feinmechanik und Onlinestellung: Eismann

Rahmenprogramm des Tippers: Fiege Bernstein, Pizza Sucuk und Gutalax


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