u-verlagerungen.de

unterirdische rüstungsprodukion in wort und bild

 
 

Schiefermuseum Ludwigsstadt


Und die Erde ist doch eine Scheibe, genauer gesagt eine Schiefertafel. Wenn man von Probstzella aus die B 85 in Richtung Süden fährt, dann fliegt man unweigerlich exakt hinter der Bundeslandgrenze von Thüringen von der Erdscheibe ins Aus, genauso wie ein Tonarm von einer Schallplatte, dessen Rillen mit Befahrerdreck und Grubenlehm vermelmt sind. Aber keine Sorge, so schlimm ist der Absturz nun auch wieder nicht, wir haben es schließlich auch überlebt, ansonsten könntet ihr diese Zeilen garnicht lesen, da sie wahrscheinlich auch nicht entstanden wären, oder? Naja, jedenfalls landet man nach einigen hundert Höhenmetern Fall wieder auf allen Vieren, in unserem Fall auf den vier Reifen unserer roten Stollensuchkugel, dem Wuddi von Svenska und befindet sich plötzlich im Ausland mit dem komischen Namen Bayern, oder Franken, oder auch Bierland? Wie ihr wollt.


Egal, auf unserer letzten Herbsttour durch Thüringen führte uns der 43 Kilometer lange Schieferpfad auch in das kleine malerische Städtchen Ludwigsstadt. Direkt an der Thüringisch-Fränkischen Schieferstraße (aha, doch Franken) liegen gleich fünf Museen, welche natürlich alle irgendwie mit (Alt-) Bergbau zu tun haben. Genau das Richtige für uns. Zumal der Altbergbau und die ehemalige unterirdische Rüstungsproduktion hier in der Region sehr eng miteinander verbunden sind. Wenn ihr mal in der Gegend seid, dann stattet dem Schiefermuseum Ludwigsstadt doch mal einen Besuch ab. Es lohnt sich – nicht nur für Montanhistoriker. Für uns war es jedenfalls eine töfte Abwechslung und Bereicherung, zumal wir auf unseren Wanderungen durch das Schiefergebirge (fast) immer Drietwetter hatten. So, Freunde, bevor ich hier ein paar Zeilen zur Industriegeschichte und zur Geschichte des Schiefermuseums in Ludwigsstadt aus dem vorliegenden Faltblatt zitiere, verabschiede ich mich hier schon mal mit einem dicken GLÜCK AUF...






In Ludwigsstadt mit seinen Ortsteilen wurde Schiefer in seinen ganzen Vielfalt wirtschaftlich genutzt. Mit dem beginnenden Niedergang der metallverarbeitenden Industrie im Loquitztal ab ca. 1830 gewannder Schieferbergbau und die Schiefertafelproduktion zunehmend an Bedeutung. Ludwigsstadt und seine Umgebung wurde in den folgenden Jahrzehnten zu einem bedeutenden Zentrum der Schiefertafelindustrie in Deutschland. Der Bau der Eisenbahnlinie über Frankenwald und Schiefergebirge und damit verbundene Anschluss an das deutsche Eisenbahnnetz 1885 förderte den wirtschaftlichen Aufschwung der gesamten Region. So wurde die Schiefertafel zum Exportschlager und die Welt lernte auf Tafeln aus Ludwigsstadt das Schreiben. Die Lieferungen gingen nach Europa, Afrika, Asien und Amerika. Die Einführung von Papierheften in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts beendete die Ära der Schiefertafeln. In Ludwigsstadt stellte die letzte Fabrik 1989 ihre Produktion ein. Heute werden in diesem Gebäude innovative Medizingeräte für die Chirugie hergestellt.


Geschichte des Schiefermuseums:

Bereits 1981 wurde in der ehemaligen Dorfschule von Steinbach an der Haide ein Schiefermuseum gegründet. Ab 1986 konnte das aus kleinen Anfängen heraus aufgebaute Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Aus Platzgründen wurde das Museum 1993 nach Ludwigsstadt, in ein ehemaliges Fabrikgebäude direkt an der B 85, verlegt. Durch die Hermann-Söllner-Stiftung, die 1991 gegründet wurde und für die Pflege der Heimat und des Brauchtums eintritt, konnte ein geeignet großer Bau für das Schiefermuseum erworben werden. Es war das ehemalige Fabrikgebäude der Bromsilberdruckanstalt in der Lauensteiner Straße. Dieses Gebäude, das 1949 erbaut wurde, musste vollständig entkernt werden. Nur die Außenwände und die tragenden Teile blieben erhalten. Die Ausstllung umfasst heute über 400 m² auf vier Etagen. Träger des Museums ist die Stadt Ludwigsstadt. Eingerichtet und betreut wird es von der Geologisch-Heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft Ludwigsstadt. (GHAG)


Neben der Geologie im Raum Ludwigsstadt gibt es viel Geschichtliches vom Schieferbergbau in Thüringen und Franken in dem kleinen feinen Schiefermuseum zu erfahren. Ebenso über die Arbeit in den Steinbrüchen, Bergwerken und in den Spalthütten gibt es eingene Abteilungen in dem Museum. Auch die Schiefertafel- und Schiefergriffelherstellung sowie viele weitere Abteilungen der Schieferindustrie werden dem Besucher vorgestellt. Schaut es euch an!






Schiefermuseum Ludwigsstadt

Lauensteiner Straße 44

96337 Ludwigsstadt

Tel: 09263 974541


www.schiefermuseum.de


Öffnungszeiten:


Dienstag – Sonntag: 13.00 – 17.00 Uhr

An Feiertagen: ebenfalls 13.00 -17.00 Uhr

Montags geschlossen

(oder nach Vereinbarung)


© eismann / u-verlagerungen.de, 2017


Auf Tour waren: Olli Alterbergbau, Olly U-Verlagerungen und Sven Minehunters, Herbst 2017


Glück Auf...