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U-Verlagerung "Heller" - Projekt A5

Unterirdische Rüstungsproduktion in der Heimkehle bei Rottleberode

Die Höhle Heimkehle:
Die Heimkehle befindet sich etwa 12 Kilometer östlich von Nordhausen im Naturschutzgebiet "Alter Stolberg" bei Uftrungen. Die Naturhöhle ist eine von rund 200 bekannten Höhlen im südharzer Karstgebiet. In der rund 2.000 Meter lange Höhle verläuft die Landesgrenze zwischen Thüringen und Sachsen Anhalt. Im Jahre 1357 wurde die Heimkehle das erste mal in einer Grenzurkunde erwähnt. Die ersten Erschließungen um 1900 herum scheiterten immer wieder an Überflutung der Höhle. Erst der Industrielle T. Weinrich erschloss 1920 die Heimkehle als Schauhöhle und bot ab dem 12.09.1920 führungen an. Der Schauhöhlenbetrieb wurde zwischen dem 12.03.1944 und dem 04.04.1945 vorübergehend eingestellt. In dieser Zeit wurde die Heimkehle beschlagnahmt und zum unterirdischen Rüstungsbetrieb umgebaut. Doch dazu weiter unten mehr.  Wiedereröffnung der Heimkehle als Schauhöhle war im Juli 1957. Der Name "Heimkehle" stammt übrigens aus dem Spätmittelhochdeutschen und bedeutet soviel wie "geheimer Keller". Die Heinkehle ist eine Laughöhle. Das heißt, daß der Hohlraum durch Auslösen des Gesteins durch Wasser entstanden ist. Als Höhle wird ein natürlicher Hohlraum im Gestein bezeichnet, wenn er durch Menschen betreten werden kann. Engere Lösungshohlräume nennt man Schlotten. Verantwortlich für die Entstehung der Heimkehle war das Zusammentreffen von drei kleinen Flüssen. (Thyra, Krebsbach und Krummschlachtbach) Bei Hochwasser war und ist die Heimkehle eine Durchflusshöhle. Die Voraussetzung zur Bildung von Lösungshohlräumen ist das Vorhandensein von lösungsfähigem Gestein und Wasser. Lösungsfähige Gesteine sind  Dolomit, Anhydrit bzw. Gips, Steinsalz und natürlich auch Kalksteine.


Eingang in die Höhle Heimkehle


Lasershow in der Höhle Heimkehle


Schlägel und Eisen


Während Steinsalz in unserer Klimazone an der Oberfläche bzw. Oberflächennähe nicht vorkommt, bilden Kalke, Dolomite und Anhydrite diese in unmittelbarer Oberflächennähe mit der Gipsrinde kompakte Massen bzw. große Flächen. Auf diesen Flächen wirkt das Niederschlags-, Oberflächen- und Grundwasser lösend und bildet dadurch eine charakteristische Landschaftsform, den Karst.
Auf Grund der chemischen Zusammensetzung der jeweiligen Oberflächengesteine unterscheidet man Karbonat- und Sulfatkarst. Bei der Heimkehle, die im Anhydrit entstanden ist, handelt es sich um Sulfatkarst. Hat Wasser die Möglichkeit durch Klüften und Spalten in das Gestein einzudringen, kommt es durch Lösungsvorgänge zur Hohlraumbildung. Dabei kann das Wasser bei entsprechender Drainage regelrechte Wasserläufe bilden. Die unterirdischen Wasserläufe werden Höhlenbäche gena´nnt. Der dabei entstandene Hohlraum nimmt eine ganz bestimmte Form an. Es bildet sich oben eine breite etwa horizontale Fläche, die Laugendecke. Die Sohle dagegen ist schmaler, so daß ein trapezförmiger Querschnitt entsteht. Die Seitenflächen sind naturgemäß schräg, (ca. 45 Grad) und werden Facetten genannt.
Die Erweiterung dieses gestreckten, vom Höhlendach durchflossenen Hohlraumes geschieht durch seitliches zurückweichen der Facetten. Es entsteht so ein relativ niedriger aber teilweise sehr breiter Hohlraum, bis die Laugendecke instabil wird und einbricht. Dieses Phenomen ist aúch sehr gut in der Jettenhöhle bei Osterode zu erkennen.
Nun werden auch die Bruchmassen gelöst, so daß sich der Hohlraum durch ständiges Nachbrechen nach oben fortsetzen kann. Mit der Annäherung an die Tagesoberfläche kommt es teilweise zum Durchbrechen, so daß ein sogenannter Erdfall (Doline) entsteht.
Die oben dargestellten Vorgänge führten zur Bildung der Heimkehle. So ist auch der größte Hohlraum der Höhle, der große Dom, mit einer maximalen Höhe von 22 m und einem maximalen Durchmesser von 65 m, nur infolge Lösung des Nebengesteins durch Wasser entstanden.
In den löslichen Gesteinskomplexen wird es zahlreiche Höhlen geben, dafür sprechen u.a. die häufig auftretendenen Erdfälle, aber gut begehbare Karsthöhlen sind dagegen selten. Nur wo durch Talbildung diese Schichten angeschnitten sind (Heimkehle) oder durch Bergbau untersucht wurden (z.B. Barbarossahöhle), konnten Höhlen erschlossen werden.
Die Heimkehle ist also das sichtbare und überzeugende Ergebnis der unterirdischen Arbeit des Wassers im Sulfatkarst und wohl die eindrucksvollste aller Karsterscheinungen, für Fachleute ebenso wie für Laien...

Der Helmstollen in der U-Verlagerung Heller


Nimm mich mit auf dein Schiffchen kleines Haus...


alter Stollen in der Heimkehle


Schauhöhle Heimkehle:
Der heutige Rundweg durch die Schauhöhle ist etwa 750m lang. Die Höhlenführung beginnt im Freistaat Thüringen. Durch einen künstlichen Eingangsstollen erreicht man die eigentliche Höhle, in die Hercynia-Halle. In dieser Halle befindet sich der natürliche Höhleneingang und der Heimensee. Der Führungsweg geht weiter in die Thyrahalle. In dieser Halle können Sie den Thyrasee bestaunen. Die Halle ist 6 bis 10 m hoch. Der Führungsweg erstreckt sich weiter durch den 6 m hohen Riesentunnel. Im Tunnel wird die Landesgrenze überquert. Der weitere Weg wird auf sachsen-anhaltinischem Boden zurückgelegt. Im Anschluß an den Riesentunnel gelangen Sie in den großen Dom mit einer Höhe von bis zu 22 m und einem Durchmesser von 65 m. Im großen Dom ist seit 1990 eine imposante Lasershow installiert worden. Durch den Riegelgang verläuft der Führungsweg in den kleinen Dom mit der dortigen Mahn- und Gedenkstätte.
Die Führung endet in der Ausstellungshalle. Dort wird anhand von Schautafeln und Ausstellungstücken nochmals die Geschichte der Heimkehle verdeutlicht. Auch andere Höhlen und der Altbergbau in der Region kommen nicht zu kurz. Im Winter verwandelt sich die Heimkehle oftmals in ein unterirdisches Eisparadies, wenn nach längerer Frostperiode die Kälte durch die großen Eingangsportale in das Höhleninnere zieht. Auch die Heimkehle ist im Winter ein großes Fledermausquartier. Für den Besucher sind die Nachtaktiven Tiere in der Höhle kaum sichtbar. Aber im September kann man vor den Höhlenportalen viele Fledermäuse bei ihren Flugaktivitäten beobachten.


Stollen unter Tage


Archivbild aus der Zeit der unterirdischen Rüstungsproduktion in der Heimkehle


Höhlenstrecke...


Doch nun zur Untertage-Verlagerung Heller:
Als Sofortmaßnahme wurde die Heimkehle Anfang 1944 vom Jägerstab beschlagnahmt. Hans Kammler wurde Beauftragter für Sonderbauten des Jägerstabs (Kammlerprogramm), Leiter der Jägerstabs war Karl Otto Saur. Zunächst interessierte sich auch Edmund Geilenberg für die unterirdischen Hohlräume der Höhle. Er wollte die Raffinerie "Dachs 4" (Geilenbergprogramm) in der Heimkehle unterbringen. Doch letztendlich entschied er sich für den Standort Osterode, wo darauf hin ein Stollenneubau ins Gipsmassiv getrieben wurde. (siehe U-Verlagerung "Basalt") Doch zurück zur Heimkehle: Die Firma, welche nach Ausbau in die Heimkehle ihre Produktion aufnehmen sollte, war die Firma Junkers-Flugzeugbau A.G. aus Dessau. Die Firmeninterne Bezeichnung für die Untertage-Verlagerung war Thyra-Werk. Der Deckname für den unterirdischen Raum war Heller. Das gesamte Vorhaben hatte noch einen weiteren Decknamen: A5
A-Projekte waren Untertage-Verlagerungen in schon vorhandene Hohlräumen wie Höhlen, Stollen und Tunnel. Ausbaubeginn zur unterirdischen Rüstungsfabrik war am 13. März 1944. (siehe auch A1- U-Verlagerung "Rebhuhn") Die Konstruktionsnummer war 406.
Am 13. März trafen die ersten Häftlinge aus dem Lager Buchenwald auf der Baustelle ein.
Die etwa 400 Häftlinge wurden in einer Porzellanfabrik bei Rottleberode untergebracht. Diese war ursprünglich als oberirdische Rüstungsproduktion der Firma Junkers gedacht (Deckname Heinrich)
Das Lager Heinrich wurde von der SS eingerichtet und war zunächst KZ-Außenlager von Buchenwald, bevor es ab Oktober 1944 zum Dora-Mittelbau-Komplex (Nordhausen) gehörte. Die Häftlinge bauten die drei großen Räume in der Schauhöhle zu Werkhallen um. Lüftungsanlagen wurden installiert, Gleise verlegt und neue Stützpfeiler wurden errichtet.
Im Berg entstand so eine Produktionsstraße für die Zellen der Ju88, für die Fahrgestelle der Ju88 und für Jumo 004 B-4 Triebwerke. Im Juli 1944 waren die Ausbauarbeiten abgeschlossen, so daß die Firma Junkers in die Höhle einziehen konnte.
Von den mittlerweile auf 1.100 Personen angestiegende Häftlingszahl wurden einige in der Fertigungsstätte "Thyra-Werk" eingesetzt. Doch der größte Teil der Zwangsarbeiter wurde zur einer neuen Baústelle gebracht. Diese lag in Stempeda, wo ebenfalls eine Untertage-Verlagerung der Junkerswerke entstehen sollte. Das Projekt hatte den Tarnnamen B4 und sollte ein Stollenneubau mit dem Deckname "Lava" werden. Bei Produktionsbeginn hatte die U-Verlagerung "Heller" eine Größe von 7.400 m

Fertigung: 4.470m²
Lager und Werkstoffprüfung: 1.360m²
Wasch-, und Umkleiderräume: 460m²
Transportwege, Schmalspurbahn: 760m²
Versorgungen, Wetterhaltung, Strom: 350m²

Das Lager Heinrich wurde im April 1945 evakuiert,
im September 1945 wurden die Zugänge der ehemaligen unterirdischen Rüstungsproduktionsstätte "Heinkehle" von der Roten Armee gesprengt und im Jahre 1954 wurde die Schauhöhle wieder für den Publikumsverkehr geöffnet...


Stützpfeiler in der U-Verlagerung Heller


Erste Tour zur U-Verlagerung Heller: Eismann, Schlufine, Kröte und Bergmann