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U-Verlagerung "Rauchquarz"

Geilenbergprojekt "Molch III / IV"


Der Kalkbergbau bei Miltitz in Sachsen blickt auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1571. Das bauwürdige Kalksteinlager hatte eine Ausdehnung von ca. 900 Metern Länge und etwa 200 Metern Breite. Abgebaut wurde Graukalkstein und Weißkalkstein in einer Kombination aus Tagebau und Tiefbau. Im untertägigen Bereich des Bergwerks wurde im sogenannten Pfeiler-Kammer-Bau der Kalkstein abgebaut, wobei die Kalkgrube in der Endphase sechs Abbausohlen hatte und die Kammern eine maximale Höhe von 13 Metern erreichten. Dieses reichte dem Reichsministerium für Rüstung und Kriegswirtschaft für die Einrichtung einer bombensicheren Produktionsstätte in das Kalkbergwerk Miltitz. Doch dazu gleich mehr. Wir machen einen kleinen Zeitsprung in das Nachkriegsjahr 1946. Im September wurde die Kalkwerk Miltitz GmbH gegründet um das begegehrte weiße Gold aus Sachsen weiter zu fördern. Obwohl die Industrie sehr an dem Kalkstein aus Miltitz interessiert war, dauerte dieser Betrieb nur noch 23 Jahre lang an. Mit der Begründung, dass die Förderkosten zu hoch wären, beschließt die letzte Werksleitung aus Riesa die Einstellung des Kalkbergbaus in Miltitz am 24. Februar 1967, obwohl die Qualität des Kalksteins nach wie vor besonders gut war. Zuvor wurde das Kalkbergwerk bereits im Jahre 1928 schon einmal stillgelegt, da der damalige Inhaber durch diverse  Fehlplanungen pleite ging und seine Arbeiter entlassen musste. Die Tageseirichtungen wie zum Beispiel die Drahtseilbahn, mussten verkauft werden, um wenigstens einen Teil der Schulden bezahlen zu können. Das RMfRuK fand also bei der ersten Besichtigung der Kalkstollen gegen Ende 1943 ein stillgelegtes Bergwerk mit vielen großen unterirdischen Kammern vor, welches sofort in die Liste der zur Untertage-Verlagerung geeigneten Objekte eingetragen wurde. Im Folgejahr, Anfang 1944 wurden bereits die ersten Vorarbeiten auf der Baustelle durch die Organisation Todt durchgeführt. Obwohl es sich hierbei nicht um einen reinen Stollenneubau durch die OT handelte, erhielt das Projekt mit der Baumummer 1143 den Decknamen "Rauchquarz". Der untertägige Hohlraum wurde also mit einem Decknamen aus der Gesteinskunde belegt, der eigentliche Verlagerungsbetrieb aus dem Mineralölsicherungsplan bekam den Decknamen "Molch", passend zum Geilenberg-Projekt zur Flugzeugbenzinherstellung. Das Projekt Molch war eine Crackinganlage, welche Teer und Teerrückstände zu Benzin und Dieselöl aufspalten sollte. Die gesamten Bauarbeiten der Doppelanlage Molch 3 und Molch 4 wurde von der OT-Einsatzgruppe aus Dresden aus geplant und durchgeführt. Das Vorgelände des unterirdischen Steinbruchs wurde beräumt, eingeebnet und mit Gleisen für die Verladeanlage und den Rangierbahnhof belegt. Das Anschlussgleis zur U-Verlagerung wurde vom Bahnhof Miltitz-Roitzschen her ins Gelände verlegt. Das gesamte Gelände wurde zur millitärischen Hochsicherheitszone erklärt und mir einer Art Tarnnetz überspannt. Dieses bestand aus einem Maschendraht mit grünen Plastikstücken bestückt, welches in einem Abstand von 40 Zentimetern parallel über den Vorplatz gespannt wurde. Die aus dem Altbergbau stammenden Gebäude wie der Kalkbunker und die Öfen wurden mit grüner Farbe gestrichen und somit gegen Luftaufklärer abgetarnt. Danach wurden mehrere Schächte abgeteuft und ausgemauert. Diese dienten zur Wetterhaltung des Geilenberg-Projektes, da mit hohen Temperaturen in dem Geilenberg-Projekt "Molch" zu rechnen war. Ab Oktober 1944 wurde mit den untertägigen Arbeiten in der U-Verlagerung Rauchquarz begonnen. Betonfundamente wurden gegossen und Kessel eingebaut. Wie immer mussten die Schwerarbeiten von KZ-Häftlingen durchgeführt werden. Bei den Arbeiten zur U-Verlagerung Rauchquarz fanden traurigerweise 17 sowjetische und polnische Häftlinge den Tod. Das Geilenberg-Projekt Molch bestand im Wesentlichen aus einer Roh-Bi-Ö-/Roh-Di-Öl-Anlage auf Braunkohlenteerbasis, wobei die geplante Destillations- und Crackanlage zur Herstellung von  Flugbenzin und leichtem Dieselöl von der  I.G. Farben, Aussenstelle Auschwitz betreiben werden sollte. Die geplanten Produkte Dieselkraftstoff und Nebenprodukte sollten in der ersten und der zweiten Sohle des Bergwerks bombensicher hergestellt werden. Die gesamte U-Verlagerung "Rauchquarz" sollte eine Produktionsfläche von 8.000 Quadratmetern haben und einen monatlichen Ausstoss von insgesamt 6.400 Tonnen Öl und Benzin erreichen. Der Einbau der technischen Anlagen der Geilenberganlage erfogte durch die Firma Friedrich Uhde K.G. Dortmund. Die umfangreichen Lüftungs- und Heizungsanlagen sollten durch die Firma Meyer aus Hamburg eingebaut werden. Die geplante Inbetriebnahme der unterirdischen Fabrik war am 30.06.1945. Die Bauarbeiten kamen allerdings im April 1945 zum Erliegen, da die Alliierten Streitkräfte bereits kurz vor Miltitz lagen. Nach dem Krieg, 1946, wurde das Anschlussgleis zur ehemaligen U-Verlagerung wieder entfernt. Nach dem Ende der letzten Bergbauperiode, wie oben schon erwähnt, soffen ab 1967 die unteren Grubenfelder ab. Seit Juli 2000 ist das Kalkbergwerk und die ehemalige U-Verlagerung "Rauchquarz" ein Besucherbergwerk. Die Reste der Untertage-Verlagerung sind noch zahlreich vorhanden und die unteren Sohlen sind heute ein Paradies für Taucher. Glück Auf...


Stollenstrecke in der U-Verlagerung Rauchquarz


Im Besucherbergwerk - das Kalklager von innen


Reste der Elektroinstallation von der Organisation Todt


Einbauten im Bergwerk


Pfeiler-Kammer-Bau im Kalkbergwerk Miltitz


Reste der U-Verlagerung Rauchquarz - Einbauten im Stollen


Die Reste der U-Verlagerung Molch sind heute abgesoffen


hier gehts zum Besucherbergwerk: kalkbergwerk miltitz


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