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U-Verlagerung "Rosa" - Unterirdische Sauerstofferzeugungsanlage

(Projekt "Eber")


In einem der zahlreichen Marmor- und Kalksteinbrüchen bei Limburg an der Lahn fanden wir die Überreste der Untertage-Verlagerung "Rosa". Von dem einstigen Stollenneubau ist heute ein großer Teil dem nach dem Krieg noch laufenden Steinbruchbetrieb zum Opfer gefallen. In die U-Verlagerung "Rosa" wurde eine Luftzerlegeranlage zur Gewinnung von Flüssig-Sauerstoff aus der Luft, eingerichtet. Der Deckname Rosa beschreibt in diesem Falle kein Felsen- oder Eiskeller (Frauenname),sondern eine spezielle, rosa schimmernde Marmorart, die Rosa genannt wird. Somit stimmt auch wieder der Deckname "Rosa" für den Stollenneubau im Marmorbruch...


Der ehemalige Marmorsteinbruch - mit Befahrer in der Mitte des Bildes


Im Zweiten Weltkrieg gab es mehrere Hersteller für Sauerstoffgewinnungsanlagen. Die beiden größten waren die Firma Messer & Co GmbH aus Frankfurt und die Firma Linde. Letztere stellte überwiegend Großanlagen her, die sie an die Industrie lieferte. Die Firma Messer stellte überwiegend mittlere und kleinere Luftzerlegungsanlagen her. Einzige Ausnahme war die Errichtung von vier Großanlagen in der Heeresversuchsanstalt "Kitz" auf Peenemünde.  Im Sommer 1944 wurde mit dem Bau der unterirdischen Sauerstoffgewinnungsanlage in einem Marmor-Steinbruch östlich von Limburg begonnen. Der Steinbruch wurde von einer "Einheit für Technische Gase" beschlagnahmt und mittels Stacheldraht hermetisch abgeriegelt. Auf dem Steinbruchgelände wurden Holzbaracken für die 250 stationierten Soldaten und drei massivere Gebäude für die Offiziere errichtet. Leiter der Anlage Rosa war der aus Hannover stammende Hauptmann und Ingenieur Mahrenz. Die Stollenausbrucharbeiten wurden von Italienischen Häftlingen durchgeführt. Nachdem der Stollenneubau fertig war, zog die Firma Messer & Co. GmbH in die neue bombensichere Produktiosstätte ein.Eigentlich sollte die Luftzerlegungs-Anlage zuerst in einen, schon bestehenden unterirdischen Hohlraum verlagert werden.Und zwar in den Reichsbahntunnel "Rabenscheider Tunnel" bei Haiger. Doch der 700 Meter lange und eingleisige Reichsbahntunnel war zu klein für die Sauerstoffgewinnungsanlagen der Firma Messer aus Frankfurt am Maín. Man benötigte mehr Deckenhöhe, also wurde das Projekt "Rabenscheider Tunnel" wieder fallengelassen und man entschied sich für den Neubau einer Stollenanlage. In den Reichsbahntunnel bei Haiger ist dann am 6. Mai die ebenfalls aus Frankfurt stammende Firma "VDN-Luftfahrtwerke AG" eingezogen und hat bis zum Ende des Krieges dort auf 5.000 m² Propellernaben hergestellt. (U-Verlagerung "Uhu" - hier) Doch das ist eine andere Geschichte, also zurück zum Stollenprojekt "Rosa":


Befahrer sitzend auf einem Marmorblock in den Resten der U-Verlagerung Rosa


Der flüssige Sauerstoff wurde direkt aus der Luft gewonnen und war als Raketentreibstoff für die V2-Stellungen in der näheren Umgebung bestimmt. Die nächste V2-Raketenstellung befand sich in Wirbelau an der unteren Lahn. Dort wurde ab Dezember 1944 unter der Leitung von Baugruppenführer Dr. Ing. Kammler (Kammlerstab) ein ganzes Waldstück beschlagnahmt, abgesperrt und streng bewacht. In diesem Waldstück wurde die Raketenstellung II Abt. 901 stationiert. Der Raketentreibstoff (Flüssig-Sauerstoff) sollte nun in der unmittelbaren Umgebung hergestellt werden und die V2-Stellungen versorgen. Der Standort der U-Verlagerung "Rosa" war strategisch sehr gut gewählt worden. Die Untertage-Verlagerung war nun weit vom Schuss und somit relativ sicher gegen Luftangriffe durch feindliche Flieger. Auf den sonst üblichen langen Transportwegen mittels der Reichsbahn verdampfte oftmals bis zu 40% der Flüssigsauerstoffladung. Die Transportwege verkürzten sich nun extrem und der Sauerstoff konnte nun mit Lastkraftwagen von der U-Anlage zu den V2-Stellungen transportiert werden. Dazu kam auch noch, daß die Züge und die Gleisanlagen der Reichsbahn ständig aus der Luft aus angegriffen und somit zerstört und unbrauchbar wurden. Die Kesselfahrzeuge aus dem Fuhrpark der "Einheit für Technische Gase" fuhren Tag und Nacht aus und in den Steinbruch. Der Fuhrpark selbst war nicht in dem Steinbruch, sondern in einem nahe gelegenden Waldgebiet untergebracht. Dieses diente zur besseren Tarnung der LKW`s. Das Projekt Eber, also die unterirdische Sauerstoffanlage "Rosa" bestand bis zum 26. März 1945. Danach wurden die Maschinen demontiert und die Einheit zog in Richtung Bayern ab. Nach dem Ende des Zweiten Weltkiegs wurde in den Baracken vor den Stollenmundlöchern ein Flüchtlingslager eingerichtet. Das Durchgangslager bestand bis Ende 1946. Danach nahm der Kalkstein- und Marmorbruch wieder seinen Betrieb auf und baute den größten Teil der U-Verlagerung "Rosa" mit ab. Heute erinnern nur noch ein paar kurze Stollenabschnitte an das unterirdische Sauerstoffwerk bei Limburg...


Schön ausgeleuchtete Sprengstoffkammer im ehemaligen Stollenneubau Rosa

Ein "Reststollen" der U-Verlagerung "Rosa" im Marmor-Steinbruch


untertage-übertage.de, 2009 / u-verlagerungen.de 2017Fotos von Björn, Markus und Micha, Geschossen im Sommer 2008 / Text: Olly Eismann, 2009 / überarbeitete Fassung und erneute Onlinestellung; November 2017 / Glück Auf...