u-verlagerungen.de

unterirdische rüstungsprodukion in wort und bild

 
 

U-Verlagerung "Rutte"


Das Thüringer Schiefergebirge


Tatort Stollenhausen! Die kleine Stadt Probstzella, gelegen im Thüringer Schiefergebirge nahe der Grenze zu Bayern, wurde nun auch von uns zu Stollenhausen eingemeindet. In und um Probstzella gab es zahlreiche Schiefer-Bergwerke und somit auch viele Stollenmundlöcher. Abgebaut wurde überwiegend gefalteter Dachschiefer und Tonschiefer. Hinzu kommen noch etwa zwei Dutzend (geplante) Untertage-Verlagerungen rund um Probstzella. Von einem dieser unterirdischen Geheimprojekten im thüringschen Schieferbergbau handelt auch dieser kleine Bericht.


Stollenmundloch der U-Verlagerung Rutte


In dem Rentschenbruch bei Probstzella wurde unter der Objektnummer 1074 die Untertage-Verlagerung mit dem Decknamen "Rutte" zur untertägigen Rüstungsproduktion genehmigt. Der untertägige Rentschenbruch lag seit 1925 still. Für den Ausbau zur unterirdischen Rüstungsfabrik war eine Produktionsfläche von 3.000 qm vorgesehen. Als Deckname wurde zu einem Bergwerk passend ein Fisch-Name gewählt. Die "Rutte" ist ein stark gefährdeter Knochenfisch aus der Familie der Quappen und wird zum Beispiel in Süddeutschland auch "Trusche" genannt. Die Rutte kommt nur im Süßwasser vor, weitere Namen sind "Ruppe" oder auch "Aalrutte". Das aber nur mal so am Rande. Ursprünglich sollte die Firma Reinecker aus Chemnitz in die Schiefergrube Rentschenbruch bei Prostzella einziehen. Doch dazu ist es nicht gekommen, so dass Reinecker letztendlich in einer anderen Schiefergrube (Deckname Rotfeder) ganz in der Nähe bombensicher untergebracht werden sollte. Zeitweise war der Rentschenbruch auch für  Einlagerungszwecke durch die Wehrmacht gesperrt. Ebenso war der Geilenberg-Stab an den unterirdischen Hohlräumen dieser Schiefergrube interessiert.


Stollenstrecke im Schieferbergwerk Rentschenbruch


Der endgültige Verlagerungsplan ging an die Firma Paul Leistritz aus Nürnberg, welche in den Schieferstollen - und Hallen des Bergwerks -  eine bombensichere Produktion von Öldruckpumpen aufnehmen wollte. Doch diese war nicht die einzige U-Verlagerung des Nürnberger Rüstungsbetriebes. P. Leistritz kam ab 22.08.1944 auch in einer Gipsgrube bei Bayreuth (Deckname Blicke) und ab 23.09.1944 in einem Granitbergwerk bei Schwarzenbruck (Deckname Andalusit) unter. Diese beiden untertägigen Rüstungswerke waren hervorragend (und besser) geeignet, da sie bergwerksseitig bereits über riesige Hallen im standfesten Gebirge verfügten. Große Hallen gab es auch im Rentschenbruch bei Prostzella. Die Thüringer Hohlbaue in dem Bergwerk hatten eine Höhe von bis zu 40 Metern. Die Überdeckung, ebenfalls aus kristallinischem Tonschiefer bestehend, war teilweise nur 20 – 30 Meter stark. Zumindest in der obersten Sohle des Bergwerks. Die Abbau-Hallen und die Stollen-Strecken wurde ohne Ausbau aufgefahren. Das heißt, es gab keinerlei Einbauten gegen Gesteinsfall. Die Entwässerung wurde duch die unterste Sohle gewährleistet. Es gab keinen Anschluss an das Reichsbahnnetz im Tal und eine starke Steigung von bis zu 30 % zu den Stollenmundlöchern erschwerte zunehmend die Einrichtung der Baustelle Rutte. In dem sehr steilen Gelände war also nur ein Schrägaufzug zum Materialtransport möglich. Die Verlagerungsstätte "Rutte" – die geeigneten Hohlbaue – konnte durch zwei Zugangsstollen von 2,2 mal 2,4 Metern im Querschnitt erreicht werden. Diese waren auf zwei Sohlen und erreichten die Hohlbaue einmal von oben und von unten. Zudem wurde ein neuer Zugangsstollen unterhalb der Abbaufelder geplant. Der Rentschenbruch gehörte dem Bergamt Weimar an. Eine natürliche Bewetterung war von Natur aus gegeben.


Flügelort im Fahrstollen


Das Gebirge galt als standfest, aber die Thüringer Hohlbaue galten als nicht erweiterbar und waren teilweise mit Abraum verfüllt. Die Luftfeuchtigkeit beträgt im Grubengebäude ca. 80 %.

Die ersten Besichtigungen diverser Schiefergruben im Raum Probstzella fanden im Juli 1944 durch das Oberbergamt (OBA) statt. Die geologischen Untersuchungen und die damit verbundenen Boden- und Gesteinsanalysen (auch) im Bergwerk Rentschenbruch wurden durch Professor Dr. Daniel aus Jena durchgeführt. Der Rentschenbruch "Rutte" wurde daraufhin als geeignet für ein bombensicheres Tanklager mit einer Kapazität von 30.000 – 50.000 m³ erklärt. Der Umbau der Hohlbaue zur "Geilenberg-Einlagerung" sollte durch leichte und einfache bergmännische Bauarbeiten erziehlt werden. Man erhoffte sich bei diesem Bauvorhaben eine enorme Ersparniss von Baustoffen wie Ziegel, Zement, Eisen und Holz. Doch das "Geilenberg-Programm" und der "Schieferbergbau" passen einfach nicht zusammen, wie wir in der Vergangenheit schon öfter gelernt haben. Deshalb wurde das Projekt "Unterirdisches Tanklager" im Rentschenbruch nach kurzer Zeit schon wieder verworfen. Das für ein Geilenberg-Projekt benötigte Wasser (Kühlwasser und Löschwasser) war einfach viel zu weit entfernt und der Höhenunterschied zwischen dem kleinen Fluss und der Stollenanlage war einfach zu enorm und bautechnisch nicht so einfach zu realisieren.


Thüringer Hohlbau - riesige Kammern unter Tage


Am 18.07.1944 wurde das Bergwerk Rentschenbruch vom RMfRuK abgesegnet und freigegeben für die Untertageverlagerung. Nachdem die Verlagerungsvorhaben für die Firma Reinecker und den Geilenberg-Stab vom Tisch waren, wurde das Bergwerk ab Ende August 1944 endlich für die Firma Leistritz freigegeben. Es folgten erste Umbauarbeiten durch die OT-Einsatzgruppe Deutschland IV "Kyffhäuser" mit Sitz in Weimar ab Anfang September 1944. Zunächst wurde der neue Zugangsstollen in der untersten Sohle neu aufgewältigt und ausgebaut. Das mittlerweile verbrochene untere Stollenmundloch lag direkt neben den Tagesanlagen der benachbarten Schiefergrube "Friedrich Hoffnung" (U-Verlagerung Pekten). Von dort aus wurde auch die Stromversorgung für die U-Verlagerung abgezweigt. Daneben, auf dem selben Gelände, befand sich auch das Büro der OT-Baustellenleitung. Der unterste Stollen sollte als Personaleingang zur U-Verlagerung "Rutte" dienen und wurde auch weitgehend fertiggestellt. Danach ging es weiter mit dem Umbau der beiden oberen Stollen. Doch infolge von Bauschwierigkeiten in Form von Material- und Arbeitermangel wurde die Baustelle "Rutte" im Januar 1945 wieder aufgegeben. Das OT-Einsatzbüro aber blieb bestehen und koordinierte bis zum Kriegsende noch die weiteren (und wichtigeren) U-Verlagerungen in und um Probstzella...



Eine Befahrung:


Je höher die Berge, je steiler das Glände, umso wärmer ist es draussen. Das war schon immer so und so wird es auch immer bleiben. Schwitzend sitzen wir auf einer Schieferhalde als Martin einen unscheinbaren Schluf mit enormen Wetterzug erkundet. Nach kurzer Zeit kommt er grinsend wieder und die Worte "lohnt sich" sind zu hören. Hurra, Zugang zur U-Verlagerung "Rutte" gefunden. Schlaz an, Helm auf, Geleucht inne Hand und ab geht es in die Unterwelt von Thüringen. Nach einem Doppel-Schluf befinden wir uns in einer schlauchartigen künstlichen Höhle. Ach ne, dat gibbet nur in Osnabrück. Also ein "natürlich entstandener Bergbau" – das Gegenteil also, hehehe...

Wir folgen der langen Stollenstrecke unter Tage bis wir die großen Hallen erreichen. Die Baue, also die Grubengebäude hier im Berg, sind echt gigantisch. Das Grubenfeld hat enorme Ausmaße. Unserer Eingang in die unterirdische Welt befindet sich noch über der Abzugsrösche, so dass wir relativ trocken bis zur Ortsbrust, also dem Ende der Strecken und Stollen fahren können. Die Sohle, die Firste und die Stöße der Stollen erwecken einen guten Eindruck, keinerlei Verbruchspuren sind zu sehen. Auch der Wetterzug ist optimal. Nur die Thüringer Hohlbaue, die riesigen Hallen, sehen nicht gerade vertrauenserweckend aus. Eine Mischung aus Verbrüchen und Verfüllung der Kammern ist zu sehen. An den brisanten Stellen im Bergwerk wurde unser Motto "Abbruch und weg" angewand, so dass das Sicherheitsrisiko immer auf ein Minimum reduziert wurde. Unsere Dokumentation einer Stollenanlage ist natürlich immer der "Ist-Zustand" der Anlage. Keine Ahnung wie das Ganze vor 10 Jahren aussah, aber für uns war an den kritischen Stellen schluss. Trotzdem haben wir eine tolle und große Untertage-Anlage befahren. Einige Hallen haben wir später bei weiteren Befahrungen auch noch von oben aus gesehen. Was unter dem Schlussstrich bleibt, ist ein unvergessener Tag im thüringschen Schiefergebirge mit einer töften Befahrung mit seinen Freunden...


Gestänge in einer Kammer


Stollenhausen


Größenvergleich in den Kammern zur Untertage-Verlagerung


Stahl und Wald


Svenska auffe Halde


(Ganz kleine) Befahrer im Thüringer Hohlbau


Untertägige Lichtspiele mit Untertage-Model Martin im Thüringer Schiefergebirge


Wir haben auch extra nach dem Bernsteinzimmer gesucht um Karl-Heinz eine kleine Freude zu machen. Obwohl es ja nirgendwo anders gefunden wurde müsste es folglich also hier im Rentschenbruch sein. Leider war dem nicht so. Das nächste mal vielleicht.


Hier noch eine wichtige Info an die Bunkersportler aus Edemissen und Bispingen: Sowas interessiert die ja am meisten. Da das Ur-Saalfelder leider schon alle war, musste ich auf das beliebte Bernstein aus Bochum zurückgreifen. Skol...


Die U-Verlagerung "Rutte" wurde gesucht, gefunden, befahren und fotografiert von Eismann, Svenska und Martin. Die Fotos in diesem Bericht stammen von Eismann und Svenska. Beleuchter und Fotomodell war Martin. Der Bericht wurde von Eismann an irgendeinem regnerischen Herbstabend in Stollenhausen-Elberfeld erfunden und niedergeschrieben. Danke an Bunkersachse für die Fütterung nach der Tour... Glück Auf...


© u-verlagerungen, 2015 // 2017