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U-Verlagerungen


Die hier gezeigten Berichte dokumentierten immer den "Ist-Zustand" der Untertage-Verlagerungen zum Zeitpunkt an dem wir vor Ort waren.


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Die Organisation Todt (OT)


Die Organisation Todt war eine Bautruppe im Deutschen Reich, welche im Jahre 1938 gegründet wurde. Neben der Hitler-Jungend (HJ) war die OT die einzige Organisation im Dritten Reich, die den Namen seines Schöpfers Fritz Todt (1891–1942) trug. Im Jahre 1922 trat Fritz Todt in die NSDAP ein und von 1925 bis 1933 arbeitete er als gelernter Bauingenieur bei dem Straßenbauunternehmen Sager & Wörner. Hier lernte er auch seinen späteren Nachfolger Xaver Dorsch kennen. Am 05.07.1933 wird Fritz Todt zum Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen ernannt, wobei er bei seinem ersten Großprojekt, dem Reichsautobahnbau, seine organisatorischen Fähigkeiten unter Beweis stellen konnte. Darauf hin erfolgte der Bau des Westwalls, der größten Verteidigungslinie im Westen. Fritz Todt übernahm die scheinbar unlösbare Aufgabe und berichtete dem Führer im Sommer 1938 von dem schnellen Baufortschritt der Westwallbunker. Adolf Hitler war sehr erfeut über die beschleunigte Fertigstellung seiner Bunker und verwendete in einer seiner Dankesreden zum ersten Mal den Namen "Organisation Todt". Die OT war geboren. Die also 1938 "neu gegründtete" Organisation Todt wurde vor allem nach dem Kriegsbeginn 1939 hauptsächlich für Baumaßnahmen innerhalb von Deutschland und in den von Deutschland besetzten Gebieten eingesetzt. Neben dem Bau des Westwalls wurde auch die OT auch durch die Errichtung der U-Boot-Bunker, der Maginot-Linie und des Atlantikwalls berühmt. Ab dem Frühjahr baute die OT auch die Stellungen und Abschussrampen der V-Waffen. Im Sommer 1943 folgte der Bau von Luftschutzbunkern und Luftschutzstollen für die Zivilbevölkerung im Reichsgebiet. Ebenso der Bau von bombensicheren Untertage-Verlagerungen für die Rüstungsbetriebe im Dritten Reich erfolgte bereits 1943, erreichte aber ab Mitte 1944 seinen Höhepunkt. In der Organisation Todt kamen leider auch viele KZ-Häftlinge, Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene zum Einsatz. Die Organisation Todt diente in den letzten Kriegsjahren überwiegend der baulichen Realisierung von Luftschutz- und Rüstungsprojekten. Sie wurde als Bauorganisation für militärische Anlagen geschaffen, die sowohl in Deutschland als auch in den von deutschen Truppen besetzten Gebieten kriegswichtige Bauvorhaben und Reparaturen durchführte. Die OT war straff hierarchisch organisiert und die deutschen Mitarbeiter waren uniformiert.

Nachdem Fritz Todt im Jahre 1940 zum Reichsminister für Bewaffnung und Munition ernannt wurde, wurde die Struktur der OT neu geordnet. Die OT wurde in Verwaltungsstelle, verschiedene Amtsgruppen und diversen Einsatzgruppen vor Ort zergliedert. Die Organisation Todt gehörte nicht zur Wehrmacht, zur Partei oder zur Bauverwaltung des Reiches, obwohl sie eine behördenähnliche Leitung im Rahmen des Reichministeriums für Rüstung und Kriegswirtschaft gegen Kriegsende bekam. Die OT war keine Behörde und agierte autark, welche immer mehr Konflikte mit den obengenannten Bereichen nach sich zog, denn die Wehrmacht oder die Deutsche Arbeitsfront (DAF) sahen ihren Einfluss immer mehr schwinden, zumal immer mehr Personal und Bauunternehmer der OT überstellt wurden, beziehungsweise zur Organisation Todt übersiedelten um ihren Fuhrpark zusammen zu halten. Als Fritz Todt bei einem bisher ungeklärten Flugzeugabsturz am 8. Februar 1942 ums Leben kam, ernannte Hitler Albert Speer zu seinem Nachfolger im Ministerium und zum neuen Leiter der Organisation Todt. Xaver Dorsch wurde der Stellvertreter Albert Speers und somit der Chef der Organisation Todt. Bis zum Ende des Krieges baute die OT unter Anderem unzählige Luftschutzanlagen, beräumte hunderte von bombardierten Städte, baute vier Verteidigungslinien, zahlreiche Verkehrswege, Flaktürme, Eisenbahnwege, gut 15 Führerhauptquartiere und zu guter Letzt rund 1.000 Untertage-Verlagerungen im deutschen Reichsgebiet...
















Reichsminister für Bewaffnung und Munition (RmfBuM) - Fritz Todt


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Reichsministerium für Rüstung und Kriegswirtschaft

(RmfRüK)


Nach dem Flugzeugabsturz im Jahre 1942, wo der Reichsminister für Bewaffnung und Munition, Fritz Todt, ums Leben kam, ernannte Hitler seinen bisherigen Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt, den Architekten Albert Speer, mit den Worten: "Herr Speer, ich ernenne Sie zum Nachfolger von Minister Dr. Todt in allen seinen Ämtern" zu seinem Nachfolger. Der neue Titel von Albert Speer lautete nun: Reichsminister für Bewaffnung und Munition – Generalbevollmächtigter für Rüstungsaufgaben. Etwa ein Jahr später, ab Juni 1943, wurde dem ehemaligen Ministerium für Bewaffnung und Munition sämtliche Wirtschaftbereiche unterstellt, so dass es nun unter dem neuen Namen "Reichsministerium für Rüstung und Kriegswirtschaft" alle Fäden der Rüstungsindustrie in der Hand hatte. Der Hauptsitz des RmfRuK war in der Viktoriastraße 11 in der Reichshauptstadt Berlin untergebracht. Unter der Regie von Albert Speer wurden in den Folgemonaten stetig neue Rekordzahlen aus der Rüstungsindustrie dem Führer vorgelegt, welche jedoch nicht immer der Realität entsprachen. Obwohl vor Allem in der Anlaufphase die Produktivitätsstatistiken erheblich nach oben hin "korrigiert" wurden, war Adolf Hitler zufrieden und war sich sicher, mit seiner Entscheidung den richtigen Weg in seinem doch recht "zweifelhafen" Vorhaben, den Krieg zu   gewinnen, geschaffen zu haben. Um die deutsche Rüstungsproduktion in Stand zu halten und noch weiter zu steigern wurden Unmengen von Arbeitskräften benötigt. Da die meisten deutschen (Fach-) Arbeiter allerdings zur Front eingezogen wurden, kamen nur noch die Kriegsgefangenen und die Zwangsarbeiter in Frage. Der seit 1942 amtierende Generalbevollmächtigte für den Arbeitseinsatz von Zwangsarbeitern, Fritz Saukel, rekrutierte die billigen und willigen (!?!) Arbeitskräfte dem Ministerium Speer und auch dem SS-Gruppenführer Dr.-Ing. Hans Kammler, welcher für die Errichtung vieler (unterirdischer) Rüstungsproduktions- und Fabrikanlagen verantwortlich war. Angesichts der zunehmenden von den alliierten Bomberverbänden durchgeführten Luftangriffe auf die deutsche Rüstungsindustrie und auf die Treibstoff-Produktion der übertägigen Hydrierwerke, setzte das Ministerium Speer in Absprache mit Adolf Hitler und Hermann Göring zunehmend auf die Verlagerung von Rüstungsbetrieben in bombensichere Stollen – nach unter Tage. Bei diesen Bauprojekten  kamen Tausende von Zwangsarbeitern und Konzentrationslagerhäftlinge ums Leben, wie zum Beispiel bei der Errichtung der größten Untertage-Verlagerung, der dem V-Waffen-Programm angehörige Stollenanlage Mittelwerk bei Nordhausen. Die Gesamtplanung über die Untertage-Verlagerung kriegswichtiger Betriebe bzw. Betriebsteile lag beim Reichsminister für Bewaffnung und Munition (Rüstungsamt im Einvernehmen mit Rüstungslieferungsamt). Maßgebend hierfür war der Erlaß des Reichsministers für Bewaffnung und Munition Nr. 17501/43 g Rü II/4a vom 14. Juli 1943 und die entsprechenden weiteren Verordnungen. Zur Anordnung der Verlegung bedurfte es der Zustimmung des Rüstungsamtes. Die Verlagerungsanordnung gegenüber dem Verlagerungsbetrieb und dem Aufnahmebetrieb wurden durch besondere Verlagerungsbescheide nach einem bestimmten Muster angeordnet. Auftragsgeber für Verlagerungsbescheide konnten die Waffenämter der Wehrmachtsteile, die SS, die Reichsbahn, die Rüstungsbetriebe selber oder andere federführende Stellen sein.


Der Verlegungsbescheid verpflichtete die Betriebe u. a. zu folgenden Maßnahmen:

Beschleunigter Aufbau der Ausweichkapazität;

Dauernde Aufrechterhaltung und größtmögliche Steigerung der Ausweichkapazität, solange das Reich die Forderung stellte; Größtmögliche Schonung des bisherigen Bestandes des Aufnahmebetriebes und seiner Struktur; Räumung des Aufnahmebetriebes, wenn das Reich die Forderung stellte.


Der Aufnahmebetrieb war verpflichtet, den Verlegungsbetrieb aufzunehmen und ihm in dem auf Grund des Verlegungsbescheides benötigten Umfang die Fortsetzung seiner Fertigung zu ermöglichen. Auf Antrag wurde vom Reich ein Schadensausgleich gewährt. Dieser wurde dem Verlegungsbetrieb für Aufwendungen und Schäden erstattet, die auf Grund des Verlegungsbescheides entstanden waren.


Foto: A. Hitler und A. Speer planen die Steigerung der Rüstungsindustrie im Deutschen Reich


Dem Aufnahmebetrieb wurde Ersatz für unvermeidbare Aufwendungen, laufende Mehrkosten und Einnahmeausfälle gewährt. Weitere Mittel wurden für Kosten erstattet, die nach Beendigung des Belegungsverhältnisses zur Wiederaufnahme der ursprünglichen Fertigung erforderlich waren.

Dem Verlagungsgebetrieb wurden Transportkosten, Umzugskosten, Versicherungen, Kosten für Raumbeschaffung am Ausweichort sowie Aufbaukosten erstattet.


Hier ein Auszug aus dem 1. Deutschen Reichsanzeiger Nr. 203 vom 1.9.1943:


Möglichst sollten die Anlagen und Einrichtungen ( z.B. Personal- und Lohnbüro, Einkauf und Verkauf, Hilfs- und Nebenbetriebe, Roh- und Hilfsstoffe, Werkzeuge, Lager, Kantine usw.) sowie das Personal des Aufnahmebetriebs im nötigen Umfang des Verlegebetriebes genutzt werden. Eine Zusammenarbeit beider Betriebe wurde angestrebt. Wenn beide Betriebe keine gleichartige Fertigung hatten, sollte ein Pachtvertrag die Überlassung der Anlagen regeln.



Im Prozess der unterirdischen Verlagerung von Industriebetrieben spielte also das RmfRuK die zentrale und wichtigste Rolle. Alle Meldungen vom Höhlenstab, welcher im gesamten Reich nach geeigneten unterirdischen Hohlräumen forschte, gingen direkt in der Verwaltungszentrale des RmfRuK ein. Auch die Rüstungsbetriebe schickten ihre Bedarfmeldungen direkt an das Reichsministerium Speer. Bei der Vergabe der bombensicheren Hohlräume an die Firmen gab es eine lange Liste, auf der die Wichtigkeit der jeweiligen Firmen vermerkt waren. Oberste Priorität hatten das Jäger-Programm, das V-Waffen-Programm, das Kessler-Programm, das Geilenberg-Programm und die Reparatur-Programme. Alle anderen Rüstungs-Programme wie zum Beispiel das Panzer-Programm oder das Infantrie-Programm kamen sozusagen auf die Ersatzbank.



Foto: Reichsführer Adolf Hitler und sein Architekt Albert Speer beim Spaziergang am FHQ...


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