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unterirdische rüstungsprodukion in wort und bild

 
 



Untertage-Verlagerungen


Was sind U-Verlagerungen? (eine kleine Einleitung)


Kurz gesagt:

Untertage-Verlagerungen, kurz U-Verlagerungen waren unterirdische, bombensichere, kriegswichtige Geheimanlagen der deutschen Rüstungsindustrie im Zweiten Weltkrieg.


Gesprengte Zwischensohle in der U-Verlagerung Stör 1


Oder etwas länger:

In der letzten Phase (1943/1944) des 2. Weltkrieges wurden immer mehr Luftangriffe gegen das deutsche Reich geflogen. Vor allem die kriegswichtigen Firmen wie Hydrierwerke, Kugellagerfabriken und Werke der Panzer- und Flugzeugindustrie waren verstärkt das begehrte Ziel der alliierten Bomberverbände. Die Rüstungsfabriken, welche die deutsche Kriegsmaschinerie am laufen halten sollten, waren oftmals ungeschützt und wurden unter einem Bombenteppich begraben. Um die kriegswichtige Produktion aufrecht zu erhalten, war man gezwungen zu handeln. Um die Rüstungsfabriken zu schützen mussten diese nun bombensicher sein. Diese Entscheidung war notwendig, da sonst der Krieg verloren würde. Zunächst dachte man über eine Verbunkerung der Rüstungsfabriken nach. Aber diese Idee konnte in Anbetracht der Baustoff-Knappheit und wegen fehlender Arbeitskräfte entweder garnicht, oder nur zum kleinen Teil realisiert werden. Ausserdem wären die großen übertägigen Baustellen ja auch wieder den Fliegerangriffen ausgesetzt gewesen. Dennoch wurde mit dem Bau einiger Großbunker zur unterirdischen Rüstungsindustrie begonnen. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Anlage "Weingut" bei Mühldorf am Inn. Eine andere Alternative war die Rüstungsfabriken in schon vorhandene und bombensichere Hohlräume zu verlagern. Diese Möglichkeit schien die beste Lösung der Probleme zu sein, so daß erst sehr spät doch noch eine beachtliche Anzahl von U-Verlagerungen gebaut, oder zumindest begonnen wurden. So wurden ab Anfang 1944 verschiedene Reichsbahntunnel, Stollen aus dem (Alt-) Bergbau und Höhlen genutzt und zur Rüstungsfabrik ausgebaut. Oftmals wurden Teile von noch aktiven Bergbaubetrieben einfach beschlagnahmt und für den normalen Betrieb gesperrt. Wenn also zum Beispiel ein Bergwerk für eine Untertage-Fabrikation geeignet erschien, verkehrsgünstig lag und allen Kriterien einer genaueren Überprüfung entsprach, so wurde in kürzester Zeit mit dem Umbau zur unterirdischen Rüstungsproduktionsstätte begonnen. Am zügigsten ging der Umbau von Eisenbahntunneln voran, da die Grundsubstanz wie Strom und Bahnanschluss (!!) usw. schon gegeben war. Ebenso kamen die U-Bahn-Tunnel in Berlin und einige Straßentunnel in Betracht. Auch die Felsen- und Eiskeller diverser Brauereien waren sehr gut zur unterirdischen Rüstungsindustrie geeignet.


Bei den Untertage-Verlagerungen in vorhandene Hohlräume handelt es sich um Bauprojekte der ersten Welle. Aber auch neue Stollensysteme, die sogenannten Stollenneubauten, wurden direkt nach den Bedürfnissen der jeweiligen Firma in die Gebirge getrieben. Am besten für den Stollenneubau geeignet, waren die relativ weichen Gesteine wie Kalk oder Gips. Ein schon vorhandener Tagebau erleichterte den Stollenansatz ungemein, da schon nach wenigen Metern Stollenstrecke das nötige Deckgebirge zur Bombensicherheit vorhanden war. Die den U-Verlagerungen in Stollenneubauten handelte es sich um Projekte der zweiten Welle.  


Für die Rüstungsindustrie war die Untertage-Verlagerung mehr als Vorteilhaft: Die U-Verlagerung war bestens geschützt vor Bombenangriffen, den Firmen blieben also die Maschinen, die Lagerbestände, die Rohstoffe und die Arbeiter erhalten. Auch Betriebsstilllegungen wurden vermieden. Und das wichtgste Argument war, daß das Reich sämtliche Baukosen übernahm. So entstanden für die jeweiligen Rüstungfirmen trotz hoher Baukosten und kleinerer Produktionsflächen der U-Verlagerungen keinerlei unternehmerisches Risiko. Bauherr bei fast allen Untertage-Verlagerungen war die Organisation Todt (OT), welche von dem Reichsministerium für Rüstung und Kriegswirtschaft (RMfRuK) unter der Leitung von Albert Speer, die Bauaufträge bekam. Die Gelder kamen ebenfalls Reichsministerium für Rüstung und Kriegswirtschaft. Ein paar U-Verlagerungsprojekte unterstanden auch der SS, andere wurden unter der Leitung von Reichsmarschall Hermann Göring erbaut. Einige wenige Untertageverlagerungen wurden auch in Eigenregie errichtet - so zum Beispiel im Bergland, wo die jeweiligen Firmen das Glück hatten und einen eigenen Luftschutzstollen besaßen, in dem sie einfach ihre wertvollen Maschinen unterstellten. Ein weiterer Vorteil der untertägigen Verlagerungen war, daß man die Anlagen hervorragend tarnen und kontrollieren konnte. Da die Eingänge fast immer versteckt im Wald lagen, genügte oftmals schon ein einfaches Tarnnetz um die Baustelle vor den Luftaufklärern zu verbergen. Bei der neuen unterirdischen Lage der Rüstungsfirmen hatte der Gegner fast keine Chance die Anlagen zu zerstören, falls er überhaupt wusste, wo sich solch eine U-Verlagerung befand. Zusätzlich nahm man dem Gegner auch die Möglichkeit zu wissen, wieviel im Deutschen Reich noch an kriegswichtigen Gütern wie Waffen, Flugzeuge und Treibstoff produziert wurde. Auch zur Einlagerung von Reserven wurden die Untertage-Verlagerungen genutzt. Selbst die Weiterentwicklung von neuen Waffensystemen (siehe U-Verlagerung Anhydrit) fand nun im Verborgenen, in unterirdischen Hallen statt. Das die U-Verlagerungen strengster Geheimhaltung unterlagen brauch ich hier wohl nicht zu erwähnen. Selbst die Anwohner hatten keine Ahnung, was im Berg nebenan vor sich ging. In ganz Deutschland wurden knapp 1.000 solcher U-Verlagerungen geplant, begonnen und teilweise auch komplett fertig gestellt. Auch im (heutigen) benachbartem Ausland wie Belgien (U-Verlagerung Maiglöckchen), den Niederlanden (U-Verlagerung Natter), Frankreich (U-Verlagerung Erz), Tschechien (U-Verlagerung Richard I-III) und Polen (U-Verlagerung Riese) wurden Untertage-Verlagerungen errichtet. Oft nahmen die Rüstungbetriebe nur einen kleinen Teil von riesigen unterirdischen Bergwerken ein, so daß noch genug Platz für die Einlagerung von Kunst- und Kulturgütern, Lebensmittel, Genussmittel wie Zigarren oder Parfüm, vorhanden war. Ein gutes Beispiel dafür war die U-Verlagerung Schlammpeitzger in den Ofenkaulen.


Heute ist es relativ schwierig die Untertage-Fabriken von einst ausfindig zu machen. Der größte Teil der geheimen Unterlagen, wie Baupläne oder Verlagerungszwecke ist bis heute verschollen geblieben. Die meisten Unterlagen wurden von den Deutschen vernichtet, damit sie nicht dem Feind in die Hände fallen. Ähnlich verhält es sich mit den Stollenmundlöchern der Untertage-Verlagerungen. Auch hier wurden viele Anlagen von den Deutschen gesprengt. Und wenn nicht, übernahmen die Alliierten in den Kriegsfolgejahren die Sprengungen der ehemaligen unterirdischen Fabriken. Viele der U-Anlagen wurden auch schlicht und einfach mit abgebaut, da sie sich in aktiven Steinbrüchen und Abbauflözen der Bergwerke befanden. Die wenigen noch vorhandenen Stollen, in denen Rüstungswerke untergebracht waren, sind mit einer meterdicken Betonplombe versiegelt und nicht mehr zugänglich. Mehr Glück hingegen hat man heutzutage mit den Reichsbahntunneln, die so gut wie alle noch vorhanden sind und in den Mittelgebirgen vor sich hin schlummern. Zum Teil werden sie sogar noch befahren - nicht nur von uns... Die Höhlen und die Eiskeller sind natürlich auch noch vorhanden. Aber in Ihnen ist so gut wie nichts mehr zu finden, was auf eine frühere unterirdische Rüstungsproduktion schließen lässt. Naja, aber wir bleiben am Ball, oder am Stollen. Ich hoffe, der allgemein gehaltene Einleitungstext war jetzt einigermaßen verständlich, so daß auch der Laie sich ein Bild von den U-Verlagerungen des Zweiten Weltkriegs machen kann. Tiefergehende Informationen findet ihr in den jeweiligen Berichten über die einzelnen U-Verlagerungen auf unserer Seite...

Produktionshalle in der U-Verlagerung "Schneider" in Wuppertal


Decknamen:


Die vom RMfRuK ausgewählten Decknamen für die Untertage-Verlagerungen wurden nach folgenden Bestimmungen gebildet:


Untertage-Verlagerungen in Schachtanlagen und Tiefstollen aus den Bergbau:

Tiernamen, meist Säugetiere wie z.B.: Igel (Mendig), Maultier (Bochum), Pferd (Winterberg), Schneehase (Kamsdorf)...


Untertage-Verlagerungen in Hangstollen: (Bergbau, Luftschutz, Felsenkeller...)

Fischnamen und Amphibien, wie z.B.: Barsch, Elritze, Kröte (Porta), Sardelle, Trusche (Wuppertal), Schlammpeitzger...


Untertage-Verlagerungen in Verkehrstunneln:

Vogelnamen, wie z.B.: Buchfink, Goldammer (Gevelsberg), Fasan (Ahrweiler), Rebhuhn (Lengerich), Zeisig (Cochem)...


Untertage-Verlagerungen in Festungwerken:

Pfanzennamen, wie z.B.: Kastanie (Ulm), Maiglöckchen (Fort Eben Emael)...


Untertage-Verlagerungen in Höhlen:

Münznamen, wie z.B.: Heller (Heimkehle), Krone (Balver Höhle), Ör (Jettenhöhle), Sesterz (Barbarossahöhle)...


Untertage-Verlagerungen in Bunkern:

Männliche Vornamen, wie z.B.: Paul (Hamburg), Peter (Wien), Valentin (Bremen)...


Untertage-Verlagerungen in Brauereikellern:

Weibliche Vornamen, wie z.B.: Liese (Köln), Meta (Gera), Nanny (Plauen)...


Untertage-Verlagerungen in Stollenneubauten:

Namen aus der Gesteinskunde, wie z.B.: Arsen (Osnabrück), Albit (Jena), Bernstein (Wuppertal), Malachit (Halberstadt), Zeolith (Ibbenbüren)...

(Manchmal auch Ausbau von Luftschutzstollen wie Andesit (Mülheim), Kalkstein (Wuppertal)...)


A-Projekte: (1. Welle)

Untertage-Verlagerungen in vorhandene Hohlräume wie Reichsbahntunnel, Bergwerke und Höhlen, Reparatur und Endmontage:

z.B.: A1 (Lengerich), A2 (Porta), A5 (Uftrungen), A7 (Bruttig)...


B-Projekte: (2. Welle)

Untertage-Verlagerungen in Stollenneubauten,  Zuliefererindustrie, Komplettwerke, Entwicklung und Geilenberg-Projekte:

B1 (U-Verlagerung Schiefer), B2 (U-Verlagerung Malachit), B3 (U-Verlagerung Anhydrit), B4 (U-Verlagerung Lava)...


C-Projekte: (2.Welle)

Untertage-Verlagerungen von Geilenberg-Projekten (Benzin-, Chemie-, Gas-, Lack-, und Ölanlagen):

C1a (U-Verlagerung Eisenkies), C3a (U-Verlagerung Para), C11c (U-Verlagerung Rauchquarz)...


D-Projekte: (2-Welle)

Untertage-Verlagerungen von Energie-, Wasser-, und Luftanlagen sowie unterirdische Verladeanlagen, Materiallager und Sprengstoffkammern.


S-Projekte:

Sonderbaumaßnahmen wie FHQ, U-Boot-Bunker, Kommandozentralen oder Tanklager...


Ein weiteres Decknamen-Vergabeschema gab es im Mineralölsicherungsplan unter der Leitung von Edmund Geilenberg, dem sogenannten "Geilenberg-Programm":

Hier erhielten die einzelnen Projekte einen weiteren Decknamen, oder auch Projektnamen, je nach Art der Verlagerung innerhalb der Chemischen Industrie. Dieses konnten reine Produktionsstätten, aber auch Forschungszentren oder Labore zur Entwicklungneuer Technologien, zum Beispiel zur synthetischen Treibstoffherstellung, sein.


Hier eine Auswahl der Decknamen im Geilenberg-Programm:


Biber: Lignol-Anlage

Dachs: Schmieröl-Raffinerie

Eber: Sauerstoff-Anlage

Iltis: Feindestillations-Anlage

Jakob: Einfache Krackanlage

Karpfen: Gas-Anlage

Meise: Katalytische Krackanlage

Ofen: Destillations-Anlage

Rabe: Tetra-Ethyl-Blei-Anlage

Rost: Reserve-Destillationsanlage

Schwalbe: Hochdruck-Hydrieranlage

Wüste: Schieferöl-Anlage



Neben dem Geilenberg-Programm gab es noch weitere wichtige Rüstungsprogramme, wie zum Beispiel das Jäger-Programm, unter welchem alle kriegswichtigen Industriezweige zur Flugzeug-Produktion zusammen gefasst waren, oder das Kessler-Progamm, welches die Kugellager-Produktion im Dritten Reich aufrecht erhalten sollte. Doch dazu mehr unter der Rubrik U-Verlagerungen hier auf der Seite.


Befahrer in der U-Verlagerung "Ör" - Jettenhöhle im Harz


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